Als Teil der Wirtschaftsdelegation reiste Dr. Fritz Audebert zusammen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nach Indonesien, auf die Philippinen sowie nach Usbekistan
Fast 24.000 km in fünf Tagen: Indonesien, Philippinen und Usbekistan
Es gibt Einladungen, die eine besondere Ehre sind!
So ging es mir, als mich erneut die Einladung des Bundespräsidialamts erreichte, Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender auf Delegationsreise nach Südost- und Zentralasien zu begleiten. Eine seltene Gelegenheit, Länder kennenzulernen, die für Deutschlands Zukunft immer wichtiger werden.
Die ersten beiden Stationen führten nach Indonesien und auf die Philippinen. Zwei Länder, die auf den ersten Blick unterschiedlich wirken – und doch dieselbe Frage aufwerfen: Welche Rolle spielt hier Deutschland im Wettbewerb mit anderen Nationen?
In Jakarta wurden wir von Präsident Prabowo Subianto empfangen. Dabei zeigte sich Indonesiens Bedeutung für Deutschlands wirtschaftliche Zukunft: 280 Mio. Menschen, größte Volkswirtschaft Südostasiens, fast 1,4 Bio. USD BIP – und ein wichtiger Partner bei Fachkräften, Handel und Rohstoffen. Das Freihandelsabkommen CEPA zwischen der EU und Indonesien ist dabei mehr als Wirtschaftspolitik. Es steht für Partnerschaft in einer Welt im Umbruch.
Auf den Philippinen setzte sich dieser Gedanke fort. Der historische Besuch bei Präsident Ferdinand Marcos Jr. – der erste eines deutschen Bundespräsidenten seit 1963 – verdeutlichte die enge Verbindung von wirtschaftlicher Zusammenarbeit und Fachkräftegewinnung.
Sichtbar wurde das beim Besuch von Lufthansa Technik in Manila – einem der größten Wartungszentren für Großraumflugzeuge weltweit, in dem fast ausschließlich philippinische Fachkräfte nach höchsten Sicherheitsstandards arbeiten. Das deutsche Werteversprechen "Perfektion" gilt hier als klarer USP.
Mit 117 Mio. Einwohnern und einem BIP von rund 462 Mrd. USD gehören die Philippinen zu den dynamischsten Volkswirtschaften Südostasiens.
Beim Wirtschafts-Roundtable durfte ich mit der philippinischen Ministerin für Arbeitsmigration sowie Vertretern aus Finanzministerium und Wirtschaft direkt ins Gespräch kommen. Deutschland werden bis 2027 rund 728.000 Fachkräfte fehlen. Über 2 Mio. philippinische Fachkräfte arbeiten schon heute im Ausland – ein erhebliches Potenzial, wenn Vermittlung fair und nachhaltig gestaltet wird.
In beiden Ländern wurde deutlich, welches Potenzial in internationalen Fachkräftepartnerschaften liegt – insbesondere in Pflege, Gesundheitswesen, Hotellerie, Handwerk und Technik. Die eigentliche Herausforderung beginnt jedoch nicht bei der Gewinnung, sondern beim Ankommen: 10 bis 15 von 100 angeworbenen Fachkräften verlassen Deutschland innerhalb kurzer Zeit wieder, weil Integration nicht gelingt.
Jakarta/Indonesien: Eine Staatskatze und ein Staatsbankett auf Einladung von Präsident Prabowo
Im Rahmen der Delegationsreise wurde uns in Jakarta an unserem ersten Tag eine besondere Gastfreundschaft zuteil.
Was dieses Treffen besonders machte, war nicht allein der politische Rahmen, sondern die Art, wie persönliche Nähe und kulturelle Verbundenheit bewusst geschaffen wurden.
Präsident Prabowo Subianto und Mitglieder seines Kabinetts griffen selbst zum Mikrofon – mit traditionellen indonesischen Liedern, aber auch mit überraschenden musikalischen Brücken nach Deutschland. So erklang unter anderem "ein bisschen Frieden, ein bisschen Freude" von Nicole sowie das Volkslied „Muss i denn zum Städtele hinaus“.
Eine Geste, die zeigt: Kultur ist in der Diplomatie weit mehr als Begleitprogramm. Sie ist ein strategisches Instrument, um Vertrauen zu schaffen und Brücken zu bauen.
Auch persönliche Bilder aus den Lebenswegen beider Staatsoberhäupter wurden gezeigt – ein bemerkenswert persönlicher Akzent in einem sonst hochformellen Rahmen.
Und dann ein Moment, der mir in besonderer Erinnerung bleiben wird:
„Bobby Kertanegara“, die bekannte Katze des Präsidenten, wurde im Kinderwagen hereingefahren – inklusive iPad und längst selbst ein kleines nationales Phänomen, im Präsidentenpalast ebenso wie auf Social Media.
Eine ungewöhnliche Szene, sicher. Aber auch eine, die zeigt, wie vielschichtig Diplomatie heute geworden ist: politisch, kulturell und persönlich.
Gerade in einer Welt, in der internationale Beziehungen oft von Spannungen geprägt sind, sind es oft genau diese menschlichen Momente, die Vertrauen entstehen lassen.
Für mich war das einer dieser seltenen Momente, die zeigen: Hinter jeder Staatsreise stehen am Ende vor allem Menschen.
Usbekistan – ein Land, dass sich gerade neu erfindet
Usbekistan liegt im Herzen Zentralasiens, eingekeilt zwischen Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Afghanistan und Turkmenistan. Kein Zugang zum Meer, kein direkter Anschluss an die großen Handelsrouten der Vergangenheit – und dennoch: kaum ein Land in der Region entwickelt sich derzeit so dynamisch.
Auf der dritten Station der Delegationsreise mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wurden wir in Taschkent von Präsident Shawkat Mirsijojew mit militärischen Ehren begrüßt – Staatsempfang, Unterzeichnung bilateraler Projektvereinbarungen im Beisein beider Präsidenten und ein direktes Gespräch mit dem usbekischen Staatsoberhaupt.
Am zweiten Tag besuchten wir die Niederlassung von GP Günter Papenburg – und sprachen dort über ein Thema, das uns auch in Jakarta und Manila begleitet hat: Fachkräftemigration.
Was mich an Usbekistan besonders beeindruckt: Hinter den Zahlen steckt ein Land, das sich in weniger als sechs Jahren grundlegend neu aufgestellt hat.
Usbekistan 2020 vs. 2025/2026 – die Daten sprechen für sich:
BIP pro Kopf: ca. 2.029 USD ➔ rund 4.661 USD
Wirtschaftswachstum: 1,9 % (mitten in der Pandemie) ➔ 6,5 % (2024)
Korruptionsindex (CPI): 26 Punkte ➔ 33 Punkte
Mindestlohn: ca. 55–60 EUR/Monat ➔ rund 95–100 EUR/Monat
Sechs Jahre. Fast verdoppeltes BIP. Das ist kein Zufall – das ist politischer Wille. Beim Korruptionsindex und beim Mindestlohn gilt: Die absoluten Werte zeigen, wo das Land herkommt. Die Kurve zeigt, wohin es geht. Und genau das ist für Unternehmen, die langfristig denken, die entscheidende Information.
Zum Vergleich: Deutschland liegt heute bei rund 67.000 USD – aber mit einem Wirtschaftswachstum von zuletzt 0,2 %, sinkender Tendenz. Usbekistan wächst mit über 6 % pro Jahr. Die Richtung ist eindeutig.
Was steckt dahinter? Ein Land, das sich bewusst öffnet. Neue Eisenbahnverbindungen nach China und Kirgisistan schaffen strategische Transportkorridore. Der Warenverkehr mit Deutschland stieg 2025 um ein Viertel auf 1,5 Mrd. Euro. Und mit der bilateralen Migrations- und Mobilitätspartnerschaft von 2024 entsteht ein verlässlicher Rahmen für Fachkräftegewinnung – dort, wo Deutschland sie dringend braucht.
Zentralasien verändert sich – und Usbekistan führt diese Veränderung an. Wer langfristig denkt, sollte dieses Land auf dem Radar haben. Ich bin dankbar, es aus nächster Nähe erlebt zu haben – und gespannt, wie sich diese Partnerschaft weiterentwickelt!
Auch die Presse berichtete über die Delegationsreise nach Asien
Weitere Informationen zum Thema:
Rede Bundespräsident vom 15. Juni 2026 zu dem Besuch in Jakarta/Indonesien
Rede Bundespräsident vom 16. Juni 2026 zu dem Besuch in Manila/Philippinen
Lesen Sie hier zur Delegationsreise 2024.